Was auf dem Energiemarkt zur Zeit los ist-

und warum?

Die steigenden Energiepreise sind momentan in aller Munde (z.B. auf SPON, tagesschau.de oder ZDF.de), denn die Strom- und Gaspreise sind weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Leider ist auch eine Entspannung bzw. eine Rückkehr zum Preisniveau von Anfang des Jahres aktuell nicht in Sicht. Hinzukommt, dass der Winter vor der Tür steht und dass die Situation für die Strompreisbildung relevante Rohstoffsituation (Kohle und Gas) weiterhin angespannt ist.


Warum steigen die Preise? 

Die Preise für Kohle und Gas haben sich über das gesamte Jahr hinweg stark erhöht und erleben seit August einen weiteren enormen Anstieg. Da Kohle- und Gaskraftwerke beim Strom zumeist die preissetzenden Kraftwerkstypen sind, finden sich die erhöhten Rohstoffpreise auch bei den Strompreisen wieder. Wenn wir über die Gründe für diese Entwicklung sprechen, ist es wichtig ist zu betonen, dass diese vielschichtig sind und häufig auch verschiedene Interpretationsansätze zulassen.

 

Corona-Nachholeffekt

  • Nach dem wirtschaftlichen Einbruch in 2020 kam die Erholung früher und stärker als erwartet und das Angebot kann jetzt nur schwer mit der wieder stark gestiegenen Nachfrage mithalten.
  • Die wirtschaftliche Erholung in Asien sorgt für eine starke Nachfrage nach Kohle und Gas (Flüssiggas).


Einfluss des Wetters

  • Ein kalter Winter in Europa hat die Gasspeicherstände in Deutschland auf ein vergleichsweise niedriges Niveau fallen lassen und die Nachfrage wurde durch die kalten Grade im Winter 20/21 und April bis Mai 2021 in die Höhe getrieben.
  • Darüber hinaus haben geringere Erneuerbare Einspeisungen im Winter 20/21 zu einem Mehrbedarf an Gas- und Kohleverstromung geführt.
  • Global niedrige Speicherstände und der bevorstehende Winter führen zu einer starken Nachfrage nach Kohle und Gas (Flüssiggas) auf dem Weltmarkt.


Politische Situation

  • Russland (Deutschlands größter Gaslieferant) liefert zwar entsprechend seiner langfristigen Lieferverträge, nutzt aus verschiedenen Gründen jedoch nicht vollumfänglich die Möglichkeit, mehr Gasmengen über ungenutzte Pipelinekapazitäten an den Spotmarkt nach Europa zu liefern.
  • Kohle- und Kernkraftwerkskapazitäten werden in Deutschland reduziert und es wird ab dem nächsten Jahr voraussichtlich mehr Gas zur Stromproduktion benötigt.


Hinzukommt, dass der CO2-Preis im Verlauf des Jahres ebenfalls stark gestiegen ist. Dieser hat allerdings an dem steilen Anstieg der Strompreise seit August nur noch einen geringen Anteil.

Dies soll in aller Deutlichkeit zeigen, welch unterschiedliche Faktoren den Preis beeinflussen und mit welchen Impondarabilien zu rechnen ist.